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Das älteste, vielseitigste und publikumsreichste Festival der Region

„Sandstein ist zu Kultur und Architektur geworden, vergleichbar den Elementen der Musik – Rhythmus, Harmonie und Melodie, die in einer mehr oder minder festen Form miteinander verschmelzen. Das Elbsandsteingebirge bringt das Alleinstellungsmerkmal einer Region ein.“ (Ludwig Güttler)

Sandstein und Musik ist das älteste, vielseitigste und publikumsreichste Festival in der Sächsischen Schweiz und dem Osterzgebirge. 1993 an den Start gegangen, ist es heute aus der Region links und rechts der Elbe nicht mehr wegzudenken. Viele Tausend Besucher zieht es Jahr für Jahr zwischen März und Advent zu den Konzerten, die in Kirchen, Burgen wie Stolpen und Schlössern von Weesenstein bis Rammenau oder unter freiem Himmel stattfinden.

„Wer hätte 1991/1992 gedacht, dass aus einer Idee Wirklichkeit werden kann“, fragt der Vorsitzende des Vereins Sandstein und Musik e. V., Klaus Brähmig, der das Festival zusammen mit Ludwig Güttler ins Leben gerufen hat. Die Veranstaltungen bedienen ein stilistisch breites Spektrum, bieten regionalem Nachwuchs ebenso ein Podium wie Interpreten von internationalem Rang. Ludwig Güttler musizierte mit seinen Virtuosi Saxoniae und dem nach ihm benannten Blechbläserensemble, immer wieder gastieren Musikerinnen und Musiker der Sächsischen Staatskapelle, der Dresdner Philharmonie, der Elbland Philharmonie Sachsen und weiterer Klangkörper. Die Stimmen des Dresdner Kreuzchors, des Sächsischen Vocalensembles, von Sjaella, Philharmonischem Kinderchor oder Solistinnen wie Hana Blažíková waren bereits zu genießen. Pianisten wie Peter Rösel, Camillo Radicke und Hinrich Alpers waren ebenso zu Gast wie Flautando Köln, CARION, Per Arne Glorvigen und Dorothee Oberlinger, die Organisten Matthias Eisenberg und Albrecht Koch, die auf der Schauspielbühne gefeierten Corinna Harfouch, Friedrich Wilhelm Junge, Thomas Thieme und Ulrich Noethen... Die Liste an Künstlerinnen und Künstlern ließe sich fortsetzen.

Besonders ist die Unterstützung der Musikschule Sächsische Schweiz durch das Festival. Das Publikum hat spendet für Musikinstrumente, die zu Ausbildungszwecken angeschafft werden können. Schülerinnen und Schüler der Musikschule erhalten zudem die Möglichkeit, in Vorkonzerten den Erstfall zu proben.


Hoffnung und Genugtuung

Grußwort des Künstlerischen Leiters zum Jahrgang 2022

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde unseres Musizierens!

Zwei Jahre liegen hinter uns, die für die Menschen, für die Gesellschaft, deren Kultur und damit für unser Festival existentiell schwierig und von einem Mangel an Orientierung und Sicherheit geprägt waren. Die Corona-Pandemie zwang uns immer wieder zu reagieren, zu verwerfen, neuen Anlauf zu nehmen. Ein Balanceakt, der uns hinter amtlich verordneten Schutzmaßnahmen zur Reflexion zwang: Welche Energien kann Musik in dieser krisenhaften Situation freisetzen und in welcher Form der Übermittlung? Jede Veranstaltung, die stattfinden konnte, wenngleich vor deutlich weniger Gästen, war für unser Festivalteam und für mich persönlich ein Fest. Dankbarkeit erfüllte mich, bin ich doch – wie viele Kolleginnen und Kollegen – davon überzeugt, dass ein „klassisches“ Konzert, lebendig dargebotene Musik vor Publikum, durch nichts zu ersetzen ist. Tonträger, Onlineangebote können ergänzen. Unser zentrales Format bleibt die direkte Begegnung.

Hoffnungsvoll schaue ich auf 2022, nicht nur in Bezug auf die Frage, ob unser dramaturgischer Bogen über 30 Abende zwischen März und Dezember Wirklichkeit werden kann. Ebenso hoffe ich, Sie können unserer Einladung folgen und den 30. Jahrgang von Sandstein und Musik besuchen. Großes haben wir vor und dafür exzellente Angebote aus nah und fern: Sie erwartet ein faszinierendes Spektrum – dargeboten von international renommierten Künstlerinnen, Künstlern und Ensembles wie amarcord, CARION, Margret Köll, Dorothee Oberlinger und dem Trio Zadig. Wir bieten in der Region verwurzelte Klasse, Solisten und Ensembles, frei oder in den Orchestern der Region engagiert. Corinna Harfouch und Ulrich Noethen prägen auf namhafte Weise unsere musikalisch-literarischen Programme. Nicht zuletzt bieten wir auch unserem Nachwuchs ein Podium.

„Saat und Ernte“ soll dieser Jubiläumsjahrgang heißen, nach dessen Verlauf ich mein Amt als Künstlerischer Leiter übergeben möchte. Musizieren und Interpretieren großer Werke ist eine Frucht der Förderung und des Weitergebens von Fähigkeiten. Ich empfinde Genugtuung, dass ich dafür meinen Anteil habe leisten dürfen. Fühlen Sie sich eingeladen, die Programme einmal stärker unter diesem Blickwinkel zu genießen!

Mein tiefer Dank gilt all denen, die sich ernsthaft um unser Festival bemühen, die auch in schwierigen Zeiten zu uns stehen. Bleiben Sie uns gewogen, bleiben Sie vor allem gesund!

Ihr
Ludwig Güttler
Künstlerischer Leiter bis 2022


Ludwig Güttler

Ludwig Güttler zählt als Solist auf Trompete und Corno da caccia zu den erfolgreichsten Virtuosen seiner Generation. Durch seinen vielseitig angelegten Wirkungskreis hat er zudem ein weltweites Renommee als Dirigent, Forscher, Veranstalter und Förderer erworben. Nach dem Studium in Leipzig folgte Güttler als Solotrompeter dem Ruf des Händelfestspielorchesters nach Halle/Saale und von 1969 bis 1980 an die Dresdner Philharmonie. Lehraufträge führten ihn an das Internationale Musikseminar Weimar und als Professor an die Dresdner Musikhochschule.

Etwa 100 Tonträger dokumentieren Ludwig Güttlers Wirken als Solist, Kammermusiker und Dirigent. Sein besonderes Interesse gilt der Wiederbelebung der sächsischen Hofmusik des 18. Jahrhunderts. Dank seiner Forschungen wurde das Repertoire durch zahlreiche unbekannte oder vergessene Werke bereichert. Güttler hat an der Neuentwicklung des Corno da caccia maßgeblich mitgewirkt. Er gründete 1976 das Leipziger Bach-Collegium, 1978 das Blechbläserensemble Ludwig Güttler, 1985 das Kammerorchester Virtuosi Saxoniae, musizierte in der Besetzung Trompete/Orgel und leitete chorsinfonische Konzerte.

Für seine großartigen Leistungen wurde Ludwig Güttler oft ausgezeichnet. Als Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche erhielt er 1997 den ersten Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung. 2000 wurde er für seine Verdienste um das Werk Johann Adolf Hasses mit dem Claus Brendel Preis ausgezeichnet. Zudem erhielt er den Champagne-Preis für Lebensfreude (2004), Deutschen Fundraising Preis, Sächsischen Steuerzahlerpreis und Mitteldeutschen Kommunikations- und Wirtschaftspreis Heiße Kartoffel (alle 2006), das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der BRD, Officer of the Order of the British Empire (OBE, ehrenhalber), das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich (2015) sowie den Sächsischen Verdienstorden (2017). 2021 wurde er mit dem päpstlichen Ordo Sancti Silvestri Papae (Ritterorden des heiligen Silvestre) für seine Verdienste um die Erhaltung und Pflege der Kirchenmusik in Stift Zwettl (Niederösterreich) geehrt.

Über seine zahlreichen Konzertverpflichtungen und Plattenproduktionen hinaus war Ludwig Güttler als Initiator und Künstlerischer Leiter von Musikfestivals erfolgreich. Neben der Musikwoche Hitzacker, die er bis 2015 leitete, hat er mit dem Festival Sandstein und Musik ein musikalisches Ereignis mit ins Leben gerufen und etabliert, das jedes Jahr Publikum aus dem In- und Ausland in die Sächsische Schweiz zieht und begeistert. Großer Beliebtheit erfreuten sich Güttlers Konzerte in der Frauenkirche Dresden. 2011 erschien beim Verlag Edel Alexandra Gerlachs inzwischen vergriffene Biografie „Ludwig Güttler: Mit Musik Berge versetzen“.

Mit dem Jahr 2022 hat Ludwig Güttler seine Künstlerische Leitung des Festivals Sandstein und Musik und zugleich seine aktive Tätigkeit beendet, die über viele Jahrzehnte lang ausgestrahlt und begeistert und die er insbesondere in den Dienst der Frauenkirche Dresden gestellt hat.

www.guettler.com